Montag, 24. Oktober 2016

Lieblingspassagen aus "Klausmüller - Ein Esel auf Verbrecherjagd"

Meine Lieblingsbuchseiten aus "Klausmüller - Ein Esel sucht ein Pferd" kennt ihr ja bereits. Nun soll es nicht im Verborgenen bleiben, welche Szenen aus "Klausmüller - Ein Esel auf Verbrecherjagd" ich besonders liebe.

Was diesen zweiten Band auszeichnet (und übrigens auch den dritten), ist die Figur Elfriede Greismann.
Elfriede Greismann ist, wie der Name schon sagt, eine etwas betagte Lady, die zwar so manches vergisst, deswegen aber noch lange nicht auf den Mund gefallen ist. Sie ist resolut, hat Spaß und ist eine besondere Freundin von Klausmüller.
In dieser nun von mir vorgestellten Szene hat sie sich einfach mal in das Auto der Polizisten Wamsmann und Neumann gesetzt, um diese bei einer Verfolgungsjagd zu unterstützen.
Ob das nun so erfolgreich ist?
Auf jeden Fall aber heiter bis komisch.

"... Tatsächlich war es nicht so ganz sicher, ob Neumann und Wamsmann die Verfolgung erfolgreich beenden würden. Denn sie hatten ja Oma Greismann dabei. Und mit Oma Greismann auf dem Rücksitz, oder besser gesagt in der Mitte des Rücksitzes, war es nicht so ganz einfach, konzentriert die Verfolgung aufzunehmen. Wamsmann versuchte bereits zum dritten Mal, Oma Greismann auf ihren Platz zu verweisen.
„Frau Greismann“, sagte er, „bitte setzen Sie sich rechts auf den Platz und schnallen Sie sich an.“
„Herr Polizist“, erwiderte Frau Greismann nun ihrerseits zum dritten Mal. Da ihr jedoch nicht wirklich bewusst war, wie oft sie diesen Satz schon gesagt hatte, klang sie im Vergleich zu Wamsmann doch wesentlich gelassener. „Da kann ich nicht ordentlich gucken“, erörterte sie. „Sechs Augen zur Verbrecherjagd sind besser als vier.“
Wamsmann wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
Neumann konzentrierte sich aufs Fahren. Jetzt bog er um eine Kurve und sah gerade noch, wie der rote Audi hundert Meter vor ihm bereits wieder links um eine Kurve schoss und hinter einer Hauswand verschwand. Neumann drückte aufs Gaspedal. Die Kurve kam näher, Neumann riss das Lenkrad rum und Neumanns Passat schoss in die nächste Straße hinein, doch das Tempo war zu hoch für die enge Kurve. Neumann und Wamsmann rissen die Augen auf. Eine Reihe Mülltonnen säumte ihren Weg, standen stramm mit geöffneten Mäulern und herausquellendem Müll. Nachdem Neumanns Passat sie passiert hatte, wälzten sich die Mülltonnen auf der Straße und hatten mit ihrem Müll die Straße dekoriert.
Neumanns Passat raste weiter, touchierte einen Laternenpfahl, ließ eine Gruppe Fußgänger zur Seite springen und kam dann auf dem Bürgersteig schräg vor einer Hauswand zum Stehen.
Neumann schlug aufs Lenkrad. „Mist!“, rief er.
Wamsmann wischte mit seinem Taschentuch über seine Stirn. Oma Greismann klatschte.
„Bravo!“, rief sie und hüpfte auf ihrem Sitz wie ein kleines, aufgeregtes Kind auf und ab. Irgendwann tippte sie Neumann behutsam mit ihrem Stock auf die Schulter und forderte ihn auf, doch ein wenig weiterzufahren. Sie wisse nicht, ob das Parken auf dem Bürgersteig erlaubt sei und die Herren Polizisten hätten doch wohl nicht vor, sich ein Knöllchen einzufangen, oder?
Neumann schielte kurz nach hinten und startete dann den Wagen. Er fuhr jetzt langsamer, denn sie hatten den Wagen von Zahnstocher-Martin aus den Augen verloren.
Doch dann passierte es. Oma Greismann sah ihn wieder, trotz ihrer schlechten Augen. Sie schaute einfach im passenden Moment in die richtige Richtung: links in eine Nebenstraße. Dort sah sie etwas Rotes von rechts nach links über die Kreuzung huschen. Und hätte sie nicht ihren Stock dabei gehabt, so hätten auch Wamsmann und Neumann sich darüber gefreut, dass Oma Greismann die Spur wiedergefunden hatte. Doch der Stock klebte nun mal fest umklammert in Oma Greismanns Händen und mit diesem zeigte sie in ihrer aufgeregten Wiedersehensfreude die Richtung an, in der sie den roten Wagen gerade hatte herumflitzen sehen. Der Stock vollführte die Bewegung von Oma Greismann mit und traf dabei die rechte Schläfe von Neumann. Es gab ein dumpfes „Klong“ und Neumann war außer Gefecht gesetzt.
„Oh.“ Frau Greismann starrte auf ihren Stock und dann auf Neumanns Kopf, der sich nun seitlich auf dessen linke Schulter neigte.
Geistesgegenwärtig griff Wamsmann mit seinen dicken Pranken ins Lenkrad, riss es herum, verhinderte so einen Zusammenstoß mit einer Hauswand und brachte den Wagen zehn Meter später abermals auf dem Bürgersteig zum Stehen.
Oma Greismann hingegen rutschte erstaunlich flink auf den linken Sitz und keine drei Sekunden später machte es „Klick“ und sie war vorschriftsmäßig angeschnallt. Dann schaute sie zum Fenster raus und betonte nochmals, dass sie nicht glaube, dass das Parken auf Bürgersteigen erlaubt sei.
Wamsmann schluckte und verhielt sich zunächst ebenso still wie sein Kollege, nur die Augen, die ließ Wamsmann geöffnet. Vorsichtig tätschelte Wamsmann Neumanns Gesicht.
„Mensch Neumann“, sagte er, „sag doch was! Mach die Augen auf.“ Seine Stimme klang eine Etage höher als gewöhnlich, fast wie bei einem Kleinkind, das kurz davor stand, in Tränen auszubrechen. Dann drehte Wamsmann sich um und fuhr Frau Greismann an: „Mann, was haben Sie gemacht?“ Seine Augenbrauen waren nach oben gezogen, seine Augäpfel traten hervor. Die Schweißperlen suchten sich ungehindert ihren Weg durch Wamsmanns Gesicht.
Betreten schaute Oma Greismann zu Boden. Ihren Stock hielt sie wieder in beiden Händen, als suche sie an ihm Schutz und Halt wie an dem Rockzipfel ihrer Mama, damals als sie selbst noch ganz klein war. „’tschuldigung“, murmelte sie ganz leise.
Dann regte Neumann sich. „Oh, mein Kopf.“ Er fuhr mit der rechten Hand an seine Stirn.
Oma Greismann griff sogleich in ihre Handtasche und zog ein Päckchen Tabletten hervor.
„Nehmen Sie.“ Sie reichte Neumann die Packung nach vorne. „Nehmen Sie die, guter Mann“, wiederholte Frau Greismann, als Neumann nicht sofort reagierte.
Neumann atmete noch einmal hörbar aus und griff dann nach der dargereichten Medizin. Mit einer Hand drückte er eine Tablette heraus, startete den Motor und schmiss Wamsmann die Packung auf den Schoß. Er steckte die Tablette in den Mund, schluckte und wendete den Wagen.
„Wo wollen Sie den Wagen jetzt gesehen haben?“, fragte Neumann und schaute im Rückspiegel in das besorgte Gesicht von Frau Greismann.
„Welchen Wagen?“
„Na, den roten Audi. Das Auto von den Erpressern“, sagte Neumann.
„Die sind gegen Verstopfung“, mischte Wamsmann sich jetzt ein.
„Die Erpresser?“
„Nein, die Tabletten.“
Betretenes Schweigen.
„Na, dann ist ja gut, dass ich heute Mittag nicht so viel Apfelmus hatte“, sagte Neumann und wendete den Wagen ..."